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Forderungskatalog: Digitalisierung

15/9/2017
Projekte

“Technologie ist digital, Gesellschaften sind analog. Leider sind sie viel zu lang als unterschiedliche Bereiche betrachtet worden”, sagte Thomas Hendrik Ilves, ehemaliger estnischer Staatspräsident, in seiner Dankesrede zum Reinhard Mohn Preis, der ihm im Juni 2017 in Gütersloh verliehen wurde. Der Reinhard Mohn Preis 2017 stand unter dem Motto “Smart Country - Vernetzt.Intelligent.Digital”. Damit rückte die Bertelsmann Stiftung das Thema Digitalisierung in den Vordergrund.

Deutschland hinkt hinterher

Trotz seiner wirtschaftlichen Stärke wird Deutschland immer wieder als digitales Entwicklungsland bezeichnet. Woran liegt das? Wie kann dies überwunden werden und welche Potenziale können dadurch freigesetzt werden? Diesen Fragen ist die Bertelsmann Stiftung im Rahmen des diesjährigen Reinhard Mohn Preises nachgegangen.

Politik, Verwaltung und weite Teile der Öffentlichkeit sind sich darüber einig, dass das teilweise schlecht verfügbare und langsame Internet in der Bundesrepublik ein Grund dafür ist. Der Breitbandausbau verläuft nur schleppend und erfüllt nicht die Anforderungen der heutigen Gesellschaft. Außerdem bestehen in Deutschland sowohl bürokratische als auch emotionale Hürden in Politik, Verwaltung und den Köpfen der Bevölkerung. Die Skepsis gegenüber dem “Digitalen” – sei es in Form von neuen Geschäfts- und Arbeitsmodellen oder anderen Entwicklungen – könnte auch an mangelndem Verständnis und unzureichenden Kompetenzen liegen.

Forderungskatalog für ein digitaleres Deutschland

Die vergleichsweise schlechte Stellung Deutschlands nahm die Bertelsmann Stiftung im Rahmen des Projekts Smart Country - Vernetzt.Intelligent.Digital zum Anlass, einen Forderungskatalog zum Thema Digitalisierung zu entwickeln. Ziel war es, diese Forderungen in den politischen Raum zu kommunizieren und der neuen Bundesregierung ins Hausaufgabenheft zu schreiben.

Vorgehen

Um den Forderungskatalog zu erstellen und inhaltlich mit Wissen zu füllen, entschied sich die Bertelsmann Stiftung dazu, verschiedene Experten einzubinden. Dazu wurde zunächst eine Stakeholderanalyse durchgeführt. Deutschlandweit wurden 40 hochrangige Experten identifiziert. Die Experten kamen unter anderem aus den Reihen des DStGB, des Fraunhofer Instituts, der Stiftung Neue Verantwortung sowie weiteren Organisationen. Die Struktur des Forderungskatalogs wurde im Vorfeld von der Bertelsmann Stiftung auf vier Themenbereiche festgelegt: Rechts- und Organisationsrahmen, Digitale Infrastrukturen, Sichere IKT und Digitale Kompetenzen. Für die praktische Umsetzung des Katalogs entschied sich die Bertelsmann Stiftung dazu, eine Konsultation mit Insights zu den vier Themenbereichen durchzuführen.

Die digitale Plattform von Insights 

Zunächst entwickelte die Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit Insights vier entsprechende Fragestellungen, die sich aus den vier definierten Themenbereichen ableiteten. Die Fragen veranschaulichen sehr deutlich die Auffassung der Bertelsmann Stiftung, dass das Thema Digitalisierung immer im Kontext von Lebensqualität und gleichwertigen Entwicklungschancen gesehen werden muss. Mit anderen Worten, Digitalisierung wird als wertvolles Mittel gesehen, um die Lebensqualität und Potenziale von Menschen zu verbessern – unabhängig von sozialer und geographischer Herkunft. 

1.    Rechts- und Organisationsrahmen:
Wie sollten unsere politischen und verwaltungstechnischen Strukturen und Prozesse verändert werden, damit alle von der Digitalisierung profitieren können? 

2.    Digitale Infrastrukturen:
Wie muss die digitale Infrastruktur in Deutschland gestaltet sein, um die gesamte Bevölkerung an den Chancen der Digitalisierung teilhaben zu lassen? 

3.    Sichere IKT:
Welche Komponenten umfassen eine sichere IKT in einem digitalen Deutschland?

4.    Digitale Kompetenzen:
Wie können digitale Kompetenzen durch die Bürgerinnen und Bürger, die Unternehmen und die Verwaltung erworben, dauerhaft erneuert und angewendet werden?

Die identifizierten Experten waren aufgerufen in einem Zeitraum von zwei Monaten Stellung zu den vier Fragen zu nehmen. Aufbauend auf den aus diesen Beiträgen gewonnenen Erkenntnissen wurden die Forderungen durch Insights und die Bertelsmann Stiftung entwickelt. Die wesentlichen Vorteile einer Konsultation über die digitale Plattform von Insights bestehen darin, dass sie deutlich kosten- und zeiteffizienter durchgeführt werden kann, als herkömmliche Befragungen, Workshops und Meetings. Unabhängig von Zeit und Ort werden alle Gedanken und Beiträge der Teilnehmenden auf der Plattform festgehalten und dargestellt.

"Mithilfe von Insights konnten wir das umfangreiche Wissen der Experten effizient und effektiv in die Erstellung des Forderungskatalogs einbringen. Die Ergebnisse der Konsultation überzeugten durch inhaltliche Qualität. Aufgrund der positiven Rückmeldungen innerhalb unserer Organisation kann ich mir gut vorstellen, das Tool in Zukunft auch für andere Entscheidungsprozesse zu nutzen!" (Kirsten Witte, Bertelsmann Stiftung)

Von der Antwort über die Analyse bis hin zu den Erkenntnissen – alles auf einer Plattform

Während der gesamten Konsultation wurden mehr als 100 Antworten von den Experten auf der Plattform abgegeben. Diese wurden anschließend analysiert und zu Erkenntnissen verdichtet, aus denen der Forderungskatalog entstanden ist.

‍‍Screenshot der Insights Webseite der Bertelsmann Stiftung mit den vier Themenfeldern

Erfolgsfaktoren: Persönliche Ansprache, Wertschätzung, Auf dem Laufenden halten

Die Einbindung der 40 Expertinnen und Experten erfolgte über E-Mail. Grundsätzlich ermöglicht es die Technologie von Insights, Stakeholder über verschiedene Kommunikationswege einzubinden und deren Beiträge einzuholen. Die Wahl der Kommunikationskanäle hängt dabei von den Präferenzen und Gewohnheiten der Stakeholder ab und variiert somit von Projekt zu Projekt. 

‍Unterschiedliche Kommunikationskanäle und Formen der Beteiligung

Insgesamt wurden während des gesamten Projektzeitraums vier E-Mails über das integrierte E-Mail-System der Insights Plattform an die Expertinnen und Experten versendet. Eine regelmäßige Kommunikation mit den Stakeholdern ist wichtig, um sie über den Stand der Dinge zu informieren, Erinnerungen zu platzieren, Wertschätzung zu geben und eine virtuelle Gemeinschaft zu schaffen. 

Der dargestellte Screenshot zeigt einen Ausschnitt aus der ersten E-Mail, in der die Expertinnen und Experten zur Konsultation eingeladen wurden.

Drei Aspekte sind hier erwähnenswert: Zentral für die Kommunikation mit Stakeholdern ist die persönliche Ansprache. Durch die Nennung des Namens entsteht Vertrauen und eine erste Bindung. Für den Stakeholder wird klar, dass sein bzw. ihr Beitrag von zentraler Bedeutung für die Konsultation ist. Durch das graphisch ansprechende Design der E-Mail wird Aufmerksamkeit geweckt. Schließlich wurden die Experten durch eine kurze und knackige Beschreibung des Kontexts und des Projekts inhaltlich abgeholt und an das Ziel der Konsultation herangeführt.
Ein Klick auf “Zur Webseite” führte die Experten direkt auf die digitale Plattform von Insights, auf der sie ihre Antworten zu den jeweiligen Fragestellungen abgeben konnten. 

Das Herzstück – Die Analyse

Zur Analyse der abgegebenen Antworten bietet das Insights Tool zwei Möglichkeiten, die sich nach dem Grad des Outsourcings an die Stakeholder unterscheiden. Bei großen Projekten mit besonders vielen Antworten wird die Analyse meist von den teilnehmenden Stakeholdern durch einen crowd-basierten, kollaborativen Prozess selbst übernommen. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, dass der Entscheidungsträger die Analyse selbst bzw. in Kooperation mit Insights durchführt. Aufgrund des Formats der Konsultation der Bertelsmann Stiftung, die als Expertenkonsultation angelegt war, entschied sich die Bertelsmann Stiftung für eine Zwischenvariante: Die Experten markierten die Kernaussagen ihrer Antworten selbst. Mitarbeiter der Bertelsmann Stiftung formulierten gemeinsam mit Insights die Erkenntnisse und brachten Sie mit den jeweiligen Kernaussagen auf der Plattform in Verbindung. In einer zweiten Expertenkommission, bestehend aus Vertretern der Wissenschaft, Industrie und Verwaltung, wurden anschließend die formulierten Erkenntnisse final für den Forderungskatalog abgestimmt.

Die nachfolgende Abbildung zeigt exemplarisch eine Erkenntnis mit der daraus entstandenen Forderung aus der Konsultation Sichere IKT. Den gesamten Forderungskatalog finden Sie hier.

Was passierte mit den Ergebnissen?

Nach der Verleihung des Reinhard Mohn Preises wurde der Forderungskatalog als Teil des Projekts Smart Country in den politischen Raum kommuniziert. Auch die deutsche Presse griff das Projekt vermehrt auf und ging auch konkret auf den Forderungskatalog ein:

“Der Katalog [ist] ein wertvolles Werk mit konkreten Ideen, wie Deutschland den 'Aufholprozess' mit 'hoher Geschwindigkeit und konsequenter Umsetzung' ohne allzu viel 'Bedenkenträgerei' aber mit 'gesundem Pragmatismus' erreichen kann.” (Spiegel Online Artikel)

Fazit

Der Forderungskatalog der Bertelsmann Stiftung soll anhand vier konkreter Handlungsfelder aufzeigen, an welchen Stellen die Politik ansetzen muss, um die Digitalisierung in Deutschland positiv voranzutreiben.

"Es bedarf dringend einer Gesamtstrategie, um die digitale Transformation zu gestalten – so wie es beispielsweise in Estland, Schweden oder Österreich erkennbar ist", sagte Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

 Weitere Insights Projekte zum Thema Digitalisierung finden Sie in unseren Case Studies.

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Quellen:

https://www.welt.de

http://www.manager-magazin.de

https://www.bertelsmann-stiftung.de(1)

https://www.bertelsmann-stiftung.de(2)

https://www.bertelsmann-stiftung.de(3)

Anna Welbers
Projekt Managerin
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