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Die richtige Frage stellen

Die Vorteile offener Fragen im Rahmen der Insights-Methode

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“42” lautet die Antwort des Supercomputers auf die “Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest” in Douglas Adams’ Roman Per Anhalter durch die Galaxis. Das Problem ist nur, dass niemand weiß, wie die Frage lautet. In dieser scherzhaften Episode steckt eine bedeutsame Wahrheit: Fragen, die nicht präzise gestellt sind, liefern bedeutungslose Antworten. Die genaue Formulierung einer Frage ist also wichtig – besonders wenn es sich um eine Fragestellung handelt, die im Zentrum einer Gruppendiskussion bzw. Konsultation steht.

In der Theorie wird zwischen offenen und geschlossenen Fragen unterschieden. Mit geschlossenen Fragen kann man bestimmte Informationen, Meinungen oder Vorlieben in Erfahrung bringen. Die Antworten auf geschlossene Fragen sind meist kurz. Oft werden die Befragten gebeten, zwischen zwei oder mehr festgelegten Antworten zu wählen oder mit Hilfe einer Bewertungsskala zu antworten. Offene Fragen beinhalten dagegen keine vorgefertigten Antworten. Sie beginnen in der Regel mit klassischen Fragewörtern wie “was”, “wie”, “wo” oder “warum”.

Welcher Fragetyp eignet sich also für eine Konsultation mit Insights?

Glücklicherweise haben sich schon viele Forscher aus den empirischen Sozialwissenschaften über die beiden Fragetypen den Kopf zerbrochen und so können wir von ihren Erkenntnissen profitieren. Ein Blick in die Literatur ergibt, dass die empirische Sozialforschung zwar größtenteils geschlossene Fragen aus Effizienzgründen empfiehlt, dass sich aber im Rahmen der Insights-Methode offene Fragen besser als Konsultationsfragen eignen.

Die Soziologen Schuman und Presser haben bereits 1976 empirisch untersucht, ob Antworten auf offene und geschlossene Fragen systematisch unterschiedlich ausfallen. Wie zu erwarten stellten sie fest, dass offene und geschlossene Fragen tatsächlich in der Regel unterschiedliche Antwortmuster liefern. Anhand dieser Unterschiede arbeiteten sie Vor- und Nachteile der beiden Fragetypen heraus.

Eine Frage der Kontrolle

Ein klarer Vorteil der offenen Frage ist, dass sie dem Befragten die vollständige Kontrolle über die Antwort überlässt. Es besteht kaum die Gefahr, die Antwort des Befragten durch die gestellte Frage zu manipulieren, da die Frage keine vorgegebenen Antwortvorschläge enthält. Beim Beantworten einer offenen Frage muss sich der Befragte seine eigenen Gedanken machen und so ist es wahrscheinlicher, dass er eine Antwort geben wird, die wirklich seiner eigenen Ansicht entspricht, als wenn er sich zwischen mehreren Antwortvorschlägen entscheiden muss.

Bei Konsultationen in Beteiligungsprozessen mit Insights ist dies der entscheidende Vorteil. Für eine erfolgreiche Konsultation ist es wichtig, dass die Möglichkeit besteht, die anstehende Entscheidung auch tatsächlich zu beeinflussen. Damit dies geschehen kann, müssen die Teilnehmenden – und nicht die Entscheidungsträger – die Kontrolle über ihre Antworten besitzen. Eine geschlossene Fragestellung kann den Entscheidungsträgern keine überraschenden Antworten liefern, weil sie selbst die Antwortvorschläge entworfen haben. Hinzu kommt, dass Konsultationen mit Insights in der Regel zukunftsorientiert sind. So wurden im Rahmen einer Konsultation mit Insights beispielsweise bereits ein neues Recyclingkonzept entwickelt oder die Zukunftsfähigkeit ländlicher Regionen gestaltet. Zukunftsfragen erfordern immer eine Interpretation der Fragestellung. Diese kann jedoch von Person zu Person ganz unterschiedlich ausfallen. Offene Fragen erlauben es den Teilnehmenden ihre eigene Interpretation der jeweiligen Ziele zum Ausdruck zu bringen, während geschlossene Fragen solche Unterschiede verschleiern.

Eine Frage der Analyse

Ein Vorteil geschlossener Fragen besteht darin, dass die Antworten auf geschlossene Fragen meist leicht codierbar sind und sich somit gut zur quantitativen Analyse eignen. Dies ist jedoch für die Insights-Methode nicht relevant, weil sie ohne quantitative Analysen auskommt. Stattdessen werden den Teilnehmenden kleine analytische Aufgaben gestellt, was eine hochwertige sowie schnelle, qualitative Analyse ermöglicht. So können die wichtigsten Erkenntnisse aus den Antworten extrahiert werden, ohne dabei wertvolle inhaltliche Beiträge zu vernachlässigen.

Eine Frage der Interpretation

Die Wahl zwischen offenen und geschlossenen Fragestellungen kann auch eine Entscheidung darüber sein, wer die Frage inhaltlich interpretieren und die relevante Antwort extrahieren soll (Iarossi 2006, S. 73). Offene Fragen werden von dem Befragten in seinen eigenen Worten beantwortet und müssen vom Fragenden interpretiert werden, um die Kernaussagen daraus zu extrahieren. Geschlossene Fragen werden von der Befragten selbst interpretiert und anschließend einer oder mehrerer der vorgeschlagenen Antworten zugeordnet.

Bei einer Konsultation mit Insights wird jede Teilnehmende gebeten, die Kernaussagen ihrer Antwort zu markieren. Somit sind es die Teilnehmenden selbst, die die relevante Information aus ihren Antworten extrahieren, wodurch die Authentizität der Interpretation gewährleistet wird. Auch hieraus folgt also, dass offene Fragen besser für Konsultationen mit Insights geeignet sind. Die Analysemethode von Insights überwindet die vordergründigen Nachteile der offenen Fragestellung und unterstreicht ihre Vorteile. Daher empfehlen wir unseren Projektpartnern immer den offenen Fragetyp zu verwenden, wenn sie einen Beteiligungsprozess initiieren.

Beispiele für bereits erfolgreich durchgeführte Konsultationen finden Sie hier.

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Quellen:

Schuman, H. & Presser, S. (1977) "Question wording as an independent variable in survey analysis." Sociological Methods & Research 6, no. 2: 151-170.

Schuman, H. & Presser, S. (1979) "The open and closed question." American sociological review: 692-712.

https://www.forbes.com/

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